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Die Hand des Sportlehrers am Po der Schülerin ist für die Turnübung nicht notwendig… Der gute Bekannte der Familie, Onkel, Opa hat ein “Geheimnis” mit der 12-jährigen Tochter… Der Vater geht fast jede Nacht ins Kinderzimmer und fasst unter die Decke seiner Tochter… Beim Spielen fasst der Junge dem Mädchen plötzlich an ihre Genitalien… Der 10-jährige Junge soll dem Nachbarn beim masturbieren zusehen… Man kann endlos aufzählen, was passiert  — und worüber keiner spricht. Sexueller Missbrauch ist kein Kavaliersdelikt, es ist eine Straftat!
Egal ob in der Schule, Zuhause, bei Freunden, auf dem Spielplatz…. es betrifft Kinder und Minderjährige, junge Menschen, die ein Leben lang darunter leiden!

Kinder haben sehr feine und klare Antennen, wenn eine bestimmte Grenze überschritten wird; sie spüren sehr genau, ob die Zuneigung echt ist oder andere Beweggründe dahinterstehen.
Dann sind sie verwirrt, verunsichert, geraten gar in eine Abhängigkeit, wenn der Täter sich durch Geschenke freikauft. Sie nehmen sehr wohl wahr, dass etwas nicht stimmt — und deuten es um, dass mit ihnen selbst etwas falsch sein muss. Im Idealfall fragen sie Personen ihres Vertrauens, erzählen, was sie erfahren haben. Erhalten sie dann keine Hilfe von Erwachsenen, oder noch schlimmer: es glaubt ihnen keiner (Eltern, Lehrer, Trainer, Betreuer…), dann entwickeln sie ein negatives Selbstbild, sie glauben, sie sind selbst schuld an dem was ihnen passiert ist, sie ziehen sich zurück.
Ohnehin ist die Pubertät eine schwierige Zeit für sie. Nicht selten verletzen sie sich selbst – ritzen sich -, finden sich hässlich und fett, Mitschüler mobben sie im Internet… eine Spirale aus Angst, Selbstablehnung, Minderwertigkeitsgefühlen, Verletzungen, Schuldgefühlen nimmt ihnen ihre Würde, Selbstmordgedanken überfluten sie, die Haltung: “je früher mein Leben endet, desto besser” setzt sich in ihnen fest.
In unserer ehrenamtlichen Arbeit sind wir in der Anonymität meist die ersten Ansprechpartner, denen sie sich offenbaren, wenn der Leidensdruck zu groß geworden ist. Zuhören, ihren Worten glauben, sie ernst nehmen, ihnen Mut machen, damit sie sich trauen, professionelle Hilfe von Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen (profamilia, Mädchentelefon, Kinderschutzbund usw.) und für ihre Ängste und Nöte immer wieder da sein.

Die #MeToo-Debatte hat etwas angestoßen: Betroffene schweigen nicht mehr und klagen an. Die Dunkelziffer von Missbrauch an Kindern ist um ein Vielfaches höher als die Zahl bekannter und angezeigter Fälle. Auch hier müssen Betroffene das Schweigen brechen, sich Menschen anvertrauen und Hilfe erfahren.
Wir alle sind für unsere Kinder verantwortlich! Deshalb Augen auf und Zuhören, wenn ein Kind erzählt, sich anvertraut; thematisieren und einfühlsam nachhaken, wenn ein Verdacht auf Missbrauch besteht.
Kitas und Schulen benötigen Schutzkonzepte, um im Fall eines Missbrauchs richtig zu reagieren, um zu wissen welche Institutionen eingeschaltet werden müssen und um professionelle Hilfe und Unterstützung für die Betroffenen zu organisieren.